Wie betrachtet mich mein Hund?

Die meisten Menschen machen sich viel zu viele Gedanken darüber, welche Erziehungsmethode die richtige ist, als darauf zu schauen, wie mein Hund mich grundlegend sieht. Es werden Glaubenskriege ausgetragen, denn für die einen sind die anderen zu weichgespült und für die anderen die einen zu hart zu ihren Hunden. Dabei kommt es meiner Meinung nach erstmal überhaupt nicht darauf an, ob ich als Mensch Grenzen setze oder nicht, ob ich die bedürfnisorientiert erziehe oder nicht oder ob ich mit Futter arbeite oder nicht. Das für mich größte Problem ist, dass Hunde ihren und andere Menschen als Wesen ohne eigene Meinung und ohne eigenen Standpunkt erleben und wir nahezu jederzeit springen, sobald sie uns nur schief angucken. 

 

Wir lassen auf uns herumtrampeln, damit der Hund den besten Platz auf der Couch bekommt, lassen uns Körperkontakt aufzwingen, lassen sie raus und sofort wieder rein, der Hund könnte müssen oder ihm ist doch kalt usw usf. und das Schwierige an der Sache ist, dass es für uns so gesehen erstmal gar nichts Schlimmes ist, denn wir wollen unserem Hund nah sein, wollen ihn streicheln, wollen ihm seine Wünsche erfüllen. Es ist so gesehen auch erstmal nicht schlimm, aber wenn man das aus Sicht des Hundes betrachtet, vermittelt es etwas, was womöglich mehr oder weniger „schlimme“ Folgen haben kann. Die meisten Hunde erleben schon von Welpe an hochgradig manipulierbare Menschen und merken, dass sie permanent Forderungen stellen können. Und dann gehen diese Menschen ins Training, da der Hund draußen unerwünschtes Verhalten zeigt und ihnen wird erklärt, dass der Hund ja nicht so viele Entscheidungen an der Leine treffen darf. Naja, um mal ehrlich zu sein, fängt das Problem ja ganz woanders an. Aber es wird nicht am Kernproblem gearbeitet, sondern am Hund trainiert, verschiedene Methoden ausprobiert, Techniken erklärt und das alles mit einem Hund, der gar nicht verstehen kann, was da gerade passiert und das auch gar nicht annehmen kann/will. Nicht von seinen Menschen, die ihm immer noch permanent vermitteln, dass sie springen, wenn er ruft und die es nicht bemerken/kommentieren, wenn er sich kleine Respektlosigkeiten herausnimmt. Und dann wundern wir uns, warum Hunde schwierig werden, keine Grenzen akzeptieren, ihren Menschen nicht zuhören und sie überhaupt nicht ernst nehmen oder sogar gegen sie gehen. Mit einer Vehemenz, die signalisiert „Du hast mir gar nichts zu sagen!“ und der Hund damit meistens vollkommen Recht hat. Das ist für uns ganz oft unverständlich, aber objektiv betrachtet, ist es total verständlich!

 

Hunde werden keine Tyrannen, weil sie keine Grenzen gesetzt bekommen. Sie werden auch nicht unhändelbar, weil man sie mit Liebe überschüttet oder weil man zu viele Grenzen setzt. Sie werden schwierig, weil viele Menschen weder körperlich noch mental in der Lage sind, ihren eigenen Standpunkt zu halten. Es wird viel zu viel auf den Hund reagiert und auf dessen Bedürfnisse geschaut, dabei sollten sich die Menschen wieder fragen: Was möchte ich? Die Bedürfnisse des Hundes zu erfüllen ist die eine Sache, die auf jeden Fall wichtig ist, da wir Verantwortung für dieses Wesen übernommen haben. Aber ob das immer dann sein muss, wenn der Hund es gerne hätte und ob ich es in Ordnung finde, wenn der Hund mit mir „redet“, als wäre ich sein Dienstmädchen die andere Sache. 

 

Möchte ich Forderungen an meinen Hund stellen, darf ich nicht immer springen, wenn er fordert. Und das fängt nicht draußen an, sondern in den ganz kleinen Dingen im Alltag. Möchte ich von meinem Hund ernstgenommen werden, sollte ich nicht derjenige sein, der zu allem Ja und Amen sagt, denn von so jemandem ist weder Lob viel wert noch eine Ermahnung von großer Bedeutung!