Prinzipienreiterei - die falsch verstandene Konsequenz

An allen Ecken und Enden hört man „Du musst konsequent sein!“ wenn es um das Thema Hunde bzw. Hundeerziehung geht. Grundsätzlich ja, aber irgendwie auch nein, denn manchmal wird daraus ein Kampf, der am Ende des Tages für alle Parteien einfach nur frustrierend ist. 

 

Natürlich ist es wichtig auch mal „dran zu bleiben“, seinen Standpunkt zu verdeutlichen und eben nicht auf jede Regung des Hundes zu reagieren. Trotzdem kann eine starre Konsequenz, die nur verdeutlichen soll, dass „man es kann“, von Hunden durchschaut werden und führt oft genau ins Gegenteil. Es werden unglaubliche Diskussionen über Kleinigkeiten geführt und dieses „aus Prinzip“ auch vom Hund gelebt. Wir kennen das alle, wenn wir das Gefühl haben, etwas zu müssen, dann wollen wir es „aus Prinzip“ nicht mehr. Es baut einen enormen Druck auf und je verbissener ich mit meinem Hund bin, desto mehr mentalen Druck übe ich aus. Hat der Hund dann wirklich noch eine Chance, etwas richtig zu machen? 

 

Konsequenz kommt an, wenn man auch mal nicht konsequent ist. Ich werde nicht respektiert, weil ich etwas verbiete, sondern ich kann etwas verbieten, weil ich respektiert werde! Diese Anerkennung muss vorhanden sein, damit ich erhört und meine Forderungen akzeptiert werden. Habe ich diese Anerkennung nicht und bin einfach nur mal „richtig“ konsequent, führt das nicht selten zu richtig unfairen Ausmaßen, die mit Konsequenz und souveräner Anleitung kaum noch etwas zu tun haben. Erhalte ich wirklich Respekt, wenn ich um jede Kleinigkeit, jeden Zentimeter, jeden Blick diskutieren muss? Fühle ich mich dann noch akzeptiert, wenn jede Kleinigkeit, jeder Zentimeter, jeder Blick getadelt wird? 

 

Habe ich Verantwortung für ein Lebewesen, welches mit mir zusammenlebt und mich dementsprechend sehr gut kennt, wird es nicht reichen Techniken und Methoden abzuspulen, denn all meine Gedanken werden zu Handlungen, die mein Gegenüber sieht, einschätzt und seine Reaktion darauf anpasst. Dementsprechend ist es so enorm wichtig, bei sich, echt und authentisch zu sein und vor allem bei all den Anforderungen an unsere Hunde nicht zu vergessen, dass das Einhalten von Regeln leichter fällt, wenn Bedürfnisse erfüllt sind. Kann der Hund auch mal Hund sein und seinen eigenen Interessen nachgehen, kann er auch mal seine Wünsche hinten anstellen und sich zurücknehmen. Und dann macht er es gerne - für einen wohlwollenden, souveränen Menschen an seiner Seite, bei dem er sich verstanden fühlt und zu dem er aufschaut.